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06/03/2021

Elisabeth Selbert kämpfte für Gleichberechtigung im Grundgesetz

Ihre Errungenschaften – Wieso ist sie heute noch so wichtig für uns?

Elisabeth Selbert war eine der vier Mütter des Grundgesetzes (neben 61 Vätern). Sie konzipierte den Gleichberechtigungssatz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ und kämpfte für die Durchsetzung bis Mai 1949. Heute finden wir ihn in Art. 3 Abs. 2 Satz 1. Das war ein Mindshift. Die Realität der jungen deutschen Bundesrepublik wurde nämlich von einem patriarchalischen Ehe- und Familienverständnis geprägt, das sich auf Regeln des Bürgerlichen Gesetzbuches (BGB) von 1896 stützte: „Der Mann war das Oberhaupt der Familie, der in allen ehelichen Angelegenheiten in letzter Instanz entschied. Die Ehefrau war dagegen verpflichtet, den Haushalt zu führen.“

Deshalb stieß die Juristin mit ihrem Vorhaben zunächst auf großen Widerstand im Parlamentarischen Rat. Sie machte das Thema öffentlich und organisierte eine beeindruckende landesweite Kampagne, um die Unterstützung der Öffentlichkeit und besonders der Frauen zu erlangen. Als Ergebnis gingen so viele Protestschreiben und Stellungnahmen von Frauen aus dem ganzen Land beim Parlamentarischen Rat ein, dass sie ganze Wäschekörbe füllten. Die Aktion ging als „Wäschekörbeaktion“ in die Geschichte ein und führte dazu, dass sich Elisabeth Selbert gegen ihre Gegner durchsetzte und den Parlamentarischen Rat umstimmten konnte.

Mit dem Gleichberechtigungssatz wurde der Rechtsanspruch der Frauen im Grundgesetz verankert. Alle schon bestehenden Gesetze, die diesem Grundrecht widersprachen, wurden mit Einführung des Grundgesetzes verfassungswidrig. Elisabeth Selberts Erfolg ist ein wichtiger Meilenstein in unserer Gesellschaft. Mit ihrem Einsatz schaffte sie die Grundlage für eine politische und gesellschaftliche Debatte zum Thema Gleichberechtigung, die wir heute noch führen.

Werdegang – Wo kommt sie her? Wie ist sie dahin gekommen?

Die zielstrebige Politikerin wurde 1896 in Kassel in kleinbürgerliche Verhältnisse geboren. Ihrem Berufswunsch Lehrerin konnte sie aufgrund fehlender finanzieller Mittel nicht nachgehen. Nach Abschluss der Real-Handelsschule arbeitete sie bis zum 1. Weltkrieg als Auslandskorrespondentin in einer Import-Export-Firma und anschließend in unterschiedlichen Unternehmen.1916 gelang es ihr, eine Stelle als Postgehilfin im Telegrafendienst zu erhalten, obwohl diese Tätigkeit vorher nur von Männern ausgeübt wurde.

Nach dem 1. Weltkrieg lernte sie ihren späteren Ehemann kennen, den sozialpolitischen Kommunalpolitiker Adam Selbert. Hier kam sie somit das erste Mal mit der politischen Arbeit in Kontakt. 1919 trat sie dann in die SPD ein. Nach der Hochzeit bekam sie zwei Söhne, aber anders als andere Frauen der Zeit war Elisabeth Selbert mit der alleinigen Aufgabe als Mutter und Ehefrau nicht zufrieden und betätigte sich weiterhin politisch, vor allem im Kampf für Gleichberechtigung.

Auch in Bezug auf ihre Karriere wollte sie mehr und holte trotz der häuslichen und politischen Belastungen 1925 das Abitur nach. Darauf folgte ein Studium in Rechts- und Staatswissenschaften mit anschließender Zulassung als Rechtsanwältin. Mit dem 2. Weltkrieg begann eine schwere Zeit für die Familie Selbert. Nach der Verhaftung von Adam Selbert konnte dieser keine Anstellung mehr finden. Während dieser Zeit war Elisabeth Selbert als Rechtsanwältin tätig. Nach dem Krieg legte die Juristin ihren Fokus wieder mehr auf die Politik. Als Abgeordnete im Parlamentarischen Rat kämpfte sie für die Aufnahme des Gleichberechtigungssatzes ins Grundgesetz.

Wie können wir darauf aufbauen?

Wir verdanken vor allem Elisabeth Selbert den aktuellen Stand der Gleichberechtigung in unserer Gesellschaft. Auch nach so vielen Jahren sind wir nicht am Ziel. Es bestehen immer noch zahlreiche Gerechtigkeitslücken, wie z.B. Parität in den Parlamenten, paritätische Besetzung von Führungspositionen, gleicher Lohn für gleich(wertig)e Arbeit und viele mehr. Diese Unterschiede müssen wir überwinden. Dabei sollten wir uns von der Beharrlichkeit, Willensstärke und Tatkraft inspirieren lassen, die Elisabeth Selbert während ihres Kampfes für Gleichberechtigung gezeigt hat.

Für die Erstellung des Beitragsbildes wurde die Portraitaufnahme von Hans Weingartz, CC BY 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by/3.0>, via Wikimedia Commons genutzt.

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