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16/03/2021

Studie Bürgermeister*innen in Deutschland

Im Schnitt sind es knapp 10 % Bürgermeisterinnen

Es gibt eine aussagekräftige Broschüre im Netz. „Engagiert vor Ort –Wege und Erfahrungen von Kommunalpolitikerinnen“ von Uta Kletzing und Helga Lukoschat, die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend November 2010 herausgegeben wurde. Diese Studie hat auf Seite 28 einen Part über Frauen als Bürgermeisterinnen – und es ist erschreckend – es gibt keine verlässlichen Zahlen.  

„Alle Bemühungen der EAF-Berlin , die genaue Gesamtzahl aller Bürgermeisterinnen zu ermitteln, sind am nicht vorhandenen Datenmaterial gescheitert. In Ermangelung eines Gesamtverzeichnisses über (Ober-)Bürgermeisterinnen und (Ober-)Bürgermeister oder Landrätinnen und Landräte Deutschlands stellte der Deutsche Städtetag auf Anfrage eine formlose Liste mit den Namen und Städten zumindest aller Oberbürgermeisterinnen zusammen. Laut der letzten Studie von Oktober 2020 scheinen die Daten von 2019 vorzuliegen – die Situation hat sich aber nicht verbessert. Interessante Grafiken verdeutlichen das politische Thema: Frauen sind mehr im Ehrenamt engagiert, nicht jedes 10. Rathaus wird von einer Frau regiert. Der Prozentsatz liegt bei niedrigen 9 Prozent.

Der Deutsche Städtetag fordert die Parteien auf, mehr Frauen anzusprechen und zu begeistern. Pressemitteilung

Wikipedia

Der Anteil der Frauen in Führungspositionen ist in der Politik immer noch gering. Diese drei weiteren Bürgermeisterinnen machen da keinen Erdrutsch. Aber in Deutschland gibt es in den Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern nur 330 Oberbürgermeister*innen und 26 davon sind Frauen. Das sind knapp 8 Prozent. Und das ist wenig im Vergleich zu dem Landesdurchschnitt der 2060 Städte in Deutschland mit 11 Prozent, was auch wenig ist.

Genau genommen sind es 7/54 Frauen in Sachsen, 3/103 Frauen in Baden-Württemberg, 4/23 in NRW, 6/54 in Bayern, 2/20 Rheinland-Pfalz, 2/4 Schleswig-Holstein, 1/5 Saarland, 1/11 in Thüringen. Wo sind die anderen Länder? Hessen, Niedersachsen? Dort wurden keine Frauen gewählt…. Quelle Wikipedia (nach der NRW Wahl aktualisiert)

Woran liegt es? Nun diese Frage ist einfach zu beantworten
Wenn man als Partei nur wenig Frauen aufstellt, dann können auch nicht viele gewählt werden. Wenn man sich die Listen anschaut, dann tauchen die ersten Frauen oft erst nach der 5. Oder 6. Position auf. So erzeugt man keine Spitzenkandidatin. Dass es auch anders geht beweisen die Grünen, Jahr für Jahr. Ihre politische Position ist gemeinsam und gleich. Deshalb werden 50 % Männer und Frauen aufgestellt – im Reisverschluss-Verfahren. Oft treten die Kandidaten als Doppelpack auf Mann:Frau. Das motiviert junge Frauen eher, sich in der Politik zu engagieren, hier hat man eine faire Chance und wird gesehen.

Mit der Kommunalwahl 2020 in NRW sind es jetzt vier Frauen, die Oberbürgermeisterinnen einer großen Stadt in NRW sind: Köln, Aachen, Bonn, Gelsenkirchen. Drei von den Bürgermeisterinnen kommen durch die Partei: Die Grünen in diese Position – weil Frauen und Männer mit 50 % aufgestellt werden und im Reißschlussverfahren kandidieren. Die Chance einer Frau, hier in ein Amt zu kommen, ist wesentlich höher als bei den anderen Parteien. (Siehe auch unseren Beitrag: Parität in den Parlamenten)

Bonn und Aachen werden künftig von grünen Oberbürgermeisterinnen regiert. In Bonn setzte sich die Bundestagsabgeordnete Katja Dörner mit 56,3 Prozent gegen den Amtsinhaber durch. In Aachen ließ die grüne Sibylle Keupen mit 67,4 Prozent der Stimmen ihren CDU-Konkurrenten hinter sich. In Köln wurde die parteilose Henriette Reker mit 59,1 % wiedergewählt und geht damit in eine zweite Amtszeit der viert größten Stadt in Deutschland. Sie ist die Kandidatin der CDU und der Grünen in Köln. Stadtdirektorin Karin Welge von der SPD wird zur neuen Oberbürgermeisterin in Gelsenkirchen gewählt. Sie erhielt 59,4 Prozent der Stimmen. Das sind jetzt vier Bürgermeisterinnen in NRW, vier von dreiundzwanzig, die Städte über 100.000 Einwohner führen. Das macht einen Anteil von Bürgermeisterinnen von 17,4 Prozent.


Nach der Studie "Women in Politics - Local and European Trends" vom Rat der Gemeinden und Regionen in Europa aus dem Jahr 2019 steht in nur 11,4 Prozent aller deutschen Kommunen eine Frau an der politischen Spitze. Damit liegt Deutschland noch unter dem europäischen Durchschnitt von 15 Prozent. Zur Studie der europäischen Organisation in Brüssel CCRE. Datenblock. 

Local level: 11,313 municipalities (Gemeinden) 2,060 of which are cities (Städte)

Intermediary level: 295 counties (Kreise)

Regional level: 16 regions (Länder)

Stiftungen (der Parteien) in Deutschland

Noch in 2017 beklagte die Heinrich-Böll Stiftung den Einbruch der Zahlen. „Das Ranking zeigt ein zwiespältiges Bild: Zwischen 2008 und 2017 ist der Anteil der Oberbürgermeisterinnen stark eingebrochen – von 17,7 % auf nunmehr 8,2 % (in 2017). Der Frauenanteil unter den Dezernent*innen ist dagegen stark und kontinuierlich gestiegen: von 18,5 % 2008 auf 29,1 % in 2017. Damals war das Fazit: "Je höher die Machtpositionen, desto weniger Frauen haben offensichtlich Zugang dazu."

Das "Gender-Ranking deutscher Großstädte" wird von der Heinrich-Böll-Stiftung 2017 untersucht, Schlüsselpositionen in der Kommunalpolitik. Wie in der Wirtschaft, so auch in der Politik: Netzwerken ist key. So schreibt die Süddeutsche Zeitung über das Netzwerk Helene-Weber-Kolleg. „Seit 2009 gibt es das Helene-Weber-Kolleg, das erste bundesweite und parteiübergreifende Netzwerk für mehr Frauen in der Kommunalpolitik, das unter anderem Workshops und Vorträge für interessierte Frauen anbietet. "Ein wichtiger Punkt, der Frauen von Spitzenpositionen in der Politik abhält, sind Rollenstereotype und Traditionen, die zwar im Umbruch, aber immer noch wirksam sind", heißt es aus dem Ministerium.“ Zur Kommunalwahl in Bayern gibt es einen Bericht.
In NRW ein Netzwerk für Bürgermeisterinnen „Netzwerk für Kommunen in NRW“.

Das Thema ist universell – wie der schöne Film aus Saudi Arabien zeigt.

Die Perfekte Kandidatin – Spielfilm  In ihrem neuesten Werk «Die perfekte Kandidatin» erzählt die saudische Filmemacherin Haifaa Al Mansour die Geschichte einer Frau, die aufbegehrt und sich um das Amt der Bürgermeisterin bewirbt. The Perfect Candidate (2019) | Trailer | Mila Al Zahrani | Dae Al Hilali | Nora Al Awad

Interview mit der Filmemacherin

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