In unserem Lunchtalk am 9 Juni um 12.00 h werden wir uns mit dem Thema Rente beschäftigen – und diskutieren. Das ist ein abendfüllendes Thema – und wir wollen zur Lunchzeit nur Impuse setzen … wir haben bewußt keinen Experten eingeladen -denn wir wollen ein offenes Format und viel Austausch.
Friedrich Merz sagt,
die gesetzliche Rente werde künftig „allenfalls die Basisabsicherung“ sein und nicht mehr ausreichen, um den Lebensstandard zu sichern. Zugleich betont er, dass es mit ihm keine Rentenkürzungen geben werde und alle drei Säulen – gesetzlich, betrieblich, privat – gestärkt werden müssten. Was tun?
Die Debatte um die Rente ist 2025 stärker politisiert als je zuvor. Der Grund ist simpel: Die Demografie kippt. Immer weniger Erwerbstätige finanzieren immer mehr Rentner*innen. Laut DIW‑Forscher Johannes Geyer und Peter Haan steigt der Altenquotient bis 2035 auf etwa 0,5 – also 50 Menschen über 65 auf 100 Erwerbstätige. Das erhöht den Druck auf das Umlagesystem massiv Wirtschaftsdienst.
Um die Lücke zu schließen, musste der Staat 2025 erneut einen dreistelligen Milliardenbetrag zuschießen – ein Trend, der seit Jahren anhält. Die Bundeszuschüsse sind längst strukturell, nicht temporär. Also Finanzierung aus Steuergeldern.
Daraus entstehen drei politische „Schulen“:
- Länger arbeiten — DIW‑Studien zeigen: Eine höhere Erwerbsbeteiligung Älterer stabilisiert das System, wirkt aber sozial ungleich und trifft Menschen mit harter Arbeit besonders stark Wirtschaftsdienst.
- Beamte einbeziehen — diskutiert seit Jahrzehnten, aber politisch blockiert.
- Produktivität besteuern — Warum finanzieren wir soziale Sicherung fast ausschließlich über Löhne, obwohl Wertschöpfung zunehmend digital und automatisiert entsteht?
Genau hier setzen neue Modelle an:
- DIW‑„Boomer‑Soli“ (Haan, Bach): Eine Zusatzabgabe auf hohe Alterseinkünfte, um die Lasten fairer zu verteilen experten Report.
- ifo‑Institut (Werding, Thum): Warnt, dass das Rentenpaket II die Lage verschärft und fordert strukturelle Reformen statt kosmetischer Maßnahmen ifo Institut.
- Lebenszyklus‑Modelle (Haan, DIW): zeigen, dass Reformen sehr unterschiedliche Gruppen unterschiedlich treffen und dass reine „Rente mit 70“-Ansätze Ungleichheit verstärken können diw.de.
Die entscheidende Frage lautet also: Warum klammern wir uns an ein System, das fast ausschließlich menschliche Arbeit besteuert – obwohl Wertschöpfung zunehmend von KI, Automatisierung und digitalen Plattformen kommt? Vielleicht ist es nicht „irre“, sondern logisch: Arbeit sich verändert, muss auch ihre Finanzierung sich verändern.
Dieser Lunchtalk soll en Impuls sein – gerne diskutieren wir über Eure Sicht und Eigenvorsorge – oder wie ihr das Thema angehen würdet …
Wer fordert eine Besteuerung von Produktivität / Automatisierung?
1. Eric Hilgendorf (Uni Würzburg) – Robot‑Recht
Der Rechtswissenschaftler Eric Hilgendorf argumentiert, dass Automatisierung massiv Arbeitsplätze verdrängen wird und der gesellschaftliche Reichtum trotzdem steigt. Deshalb sei die Debatte über neue Finanzierungsmodelle – inkl. Maschinen‑ oder Digitalisierungssteuer – „nachvollziehbar“.
Heise
2. Norbert Elkmann (Fraunhofer IFF) – Maschinensteuer als Option
Elkmann hält eine „Maschinen- oder Digitalisierungssteuer“ für denkbar, wenn Politik Wertschöpfungsverschiebungen ausgleichen will. Wichtig: Nicht nur Roboter, sondern alle IT‑Systeme müssten einbezogen werden.
Heise
3. Florian Butollo (WZB / Weizenbaum‑Institut) – Automatisierungsdividende
Der Sozialwissenschaftler Florian Butollo fordert, die Produktivitätsgewinne der Digitalisierung gesellschaftlich zu teilen. Er spricht von einer „Automatisierungsdividende“, die über neue Abgabenmodelle oder eine breitere Bemessungsgrundlage finanziert werden könnte.
EconStor Regierungsforschung
4. Wertschöpfungsabgabe (Ehrenberg, später SPD/Grüne/Linke)
Die Wertschöpfungsabgabe ist ein älteres, aber wieder relevantes Modell:
Statt Löhne zu belasten, wird die gesamte Wertschöpfung eines Unternehmens besteuert – also auch Kapital, Automatisierung und digitale Produktivität. Dieses Modell wurde u. a. von Arbeitsminister Herbert Ehrenberg (1970er) eingebracht und später von SPD, Grünen und Linken aufgegriffen.
Wikipedia
Das ist der Kern der Debatte – und der Grund, warum viele Wissenschaftler sagen:
Es ist logisch, nicht irre, über eine Besteuerung von Produktivität, KI und Automatisierung nachzudenken. Doch wenn man Kapital und Maschinen besteuert, würgt man dann nicht die Modernisierung ab? Davor haben alle Angst …
