Diversität als Governance‑Instrument? Oder eine Mär? Schafft Vielfalt in Führung strukturelle Barrieren gegen Korruption? Eine kritische Auswertung einer breiten Analyse von 26 Ländern.
Für den EWMD Society Lunchtalk haben wir die Studentin der Sozialwissenschaften Annika Ertl eingeladen. Sie ist derzeit Praktikantin bei der Schader-Stiftung in Darmstadt und schreibt ihre Bachelorarbeit über Korruption – ein Thema, das nicht nur politisch, sondern auch für Unternehmen relevant ist. Denn die Bedingungen, die politische Korruption begünstigen, können ebenso in Organisationen entstehen.
In ihrer Bachelorarbeit geht Annika Ertl der Frage nach, ob der Zusammenhang zwischen Frauenrepräsentation in nationalen Parlamenten und politischer Korruption tatsächlich geschlechtsspezifisch bedingt ist oder ob gesellschaftliche Normen und Wertorientierungen eine entscheidendere Rolle spielen. Ausgangspunkt ist eine ländervergleichende Regressionsanalyse, die den Zusammenhang zwischen dem Frauenanteil in nationalen Parlamenten und drei zentralen gesellschaftlichen Normdimensionen (gebildet auf Basis des European- und World Value Surveys) betrachtet. Die drei Normdimensionen umfassen:
- Moralische Ablehnung korruptionsnahen Verhaltens – Diese Normdimension beschreibt, inwieweit Individuen korruptionsnahe Handlungen wie Bestechung, Amtsmissbrauch oder Steuerhinterziehung moralisch ablehnen.
- Ablehnung unfairer Regelverstöße – Sie erfasst, wie stark Fairness und Regelbefolgung ausgeprägt sind, beispielsweise die Ablehnung von Schwarzfahren.
- Prosoziale Wertorientierungen – Diese Dimension umfasst Werte wie Gemeinwohlorientierung, Kooperationsbereitschaft und soziales Vertrauen, an denen sich Menschen in ihrem Handeln orientieren
Zusätzlich wird der Demokratiegrad, die Pressefreiheit und die wirtschaftliche Entwicklung der untersuchten Länder betrachtet. Ebenso werden Beispiele aus der Mikroebene von Unternehmen herangezogen. Dabei wird untersucht, welcher Zusammenhang zwischen der Frauenrepräsentation und Korruption auf Unternehmensebene besteht.
Gerade für Frauen in Führungspositionen – ob in Verwaltung oder Unternehmen – gilt:
Sie bewegen sich oft in Rollen, in denen Integrität, Transparenz und normative Vorbildfunktion besonders sichtbar werden. In Systemen mit hohem Demokratiegrad, wirtschaftlicher Stabilität und starker Pressefreiheit können sie diese Wirkung noch stärker entfalten.
Wir freuen uns auf den Lunchtalk
Claudia Schmitz und Silke Wuestermann
