Finanzielle Bildung beginnt im Alltag: Österreich und Deutschland im Vergleich
Mit der Finanzcoach Jennifer Brockerhoff sprechen wir in EWMD Society über das Thema Umgang mit Geld. Sie lebt zeitweise in Wien und hat sich mit dem dortigen Systemen vertraut gemacht – welch ein Unterschied von Österreich zu Deutschland: Mehr Wissen – vom Staat direkt. Aber hilft es auch – führt Wissen zum Handeln?
Aber es ging weit drüber hinaus:
Stichworte unseres Talkes waren auch: Finanzbiografie, Emotionalität von Geldentscheidungen, Financial Buddy, Feeling Finance, Familienprägung, Finanzbildung in Schulen, Notgroschen, ETFs sowie Erben und Vorsorgeplanung.
Die Aufzeichnung von Zoom wird hier auf youtue gepostet.
Ein Überblick:
Finanzielle Bildung bedeutet mehr als Sparen oder Geldanlagen. Sie beginnt mit dem Verständnis grundlegender Zusammenhänge: Was sind Prozentzahlen? Wie wirken Zinsen und Zinseszinsen? Wie unterscheiden sich Kreditkosten und Kapitalerträge? Wer diese Zusammenhänge versteht, kann bessere Entscheidungen bei Kontoführung, Krediten, Altersvorsorge und Vermögensaufbau treffen. Ein anschauliches Beispiel bietet der Zinseszins-Rechner unter: https://prozent-rechner.com/blog/zinsen-zinseszins-erklaert/ [Finanz Navi | Word]
Fiananz-Navi
Der nächste Schritt ist die praktische Anwendung im Alltag. Viele Menschen wissen theoretisch, wie Geld funktioniert, verlieren aber den Überblick über ihre tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben. Deshalb gewinnen digitale Finanzhilfen an Bedeutung. Sie zeigen monatlich, wofür Geld ausgegeben wird, welche Verträge und Abonnements laufen, wo Sparpotenziale liegen und wie sich das eigene Vermögen entwickelt. [Finanz Navi | Word]
Hier zeigt sich ein interessanter Unterschied zwischen Österreich und Deutschland. In Österreich wurde mit dem FinanzNavi eine gemeinsame Initiative des Finanzministeriums und der Österreichischen Nationalbank geschaffen. Die Plattform vermittelt Finanzwissen, stellt Rechner und Planungshilfen bereit und begleitet Menschen durch verschiedene Lebensphasen. Ziel ist nicht der Verkauf von Finanzprodukten, sondern die Förderung finanzieller Kompetenz.
https://finanznavi.gv.at/ [Finanz Navi | Word]
Fin-Tech
In Deutschland gibt es bislang keine vergleichbare staatliche Plattform. Die Orientierung erfolgt überwiegend über Banken, FinTechs und private Anbieter. Apps wie Finanzguru (https://finanzguru.de/) oder bankeigene Finanzplaner analysieren Kontobewegungen, kategorisieren Ausgaben und helfen bei der Budgetplanung. Sie bieten hohe Praxistauglichkeit, verfolgen jedoch häufig auch kommerzielle Interessen. [Finanz Navi | Word]
Finanzübersichten
Möglich wird dies durch das sogenannte Open Banking. Auf Grundlage der europäischen PSD2-Richtlinie können Verbraucher unterschiedlichen Anwendungen den Zugriff auf ihre Kontodaten erlauben, um Ausgaben auszuwerten und Finanzübersichten zu erstellen. Informationen dazu finden sich unter: https://www.oesterreich.gv.at/de/lexicon/O/Seite.991603 und https://www.openbankingtracker.com/regulation/psd2. [Finanz Navi | Word] Viele Banken, angefangen von der Commerzbank bis zur Sparkasse, Postbank und GLS bieten auf ihren Seiten Systeme an, um die Kontodaten von Ein- und ausgängen zu kategorisieren. Andere Menschen otieren jeden Einkauf im Haushaltsbuch oder auf einem Excel Sheet. Es geht weniger um die Methode, als um die Konsistenz des Tuns. Für Menschen die Haptik lieben wurde das Brigitte Akademie Workbook genannt.
Frauen und Geld
Für Organisationen wie EWMD ist dies besonders relevant. Studien und Erfahrungen zeigen, dass viele Frauen ihre finanzielle Situation eher unterschätzen und später mit Vermögensaufbau oder Altersvorsorge beginnen. Gleichzeitig führen sie häufig die Budgetplanung im Haushalt. Moderne Finanzbildungsangebote setzen deshalb nicht bei Börsenkursen an, sondern bei den Fragen des täglichen Lebens: Wofür gebe ich Geld aus? Was spare ich tatsächlich? Welche finanziellen Verpflichtungen habe ich? Wie entwickelt sich mein Vermögen? [Finanz Navi | Word]
Jennifer Brockerhoff nennt ihre Firma nicht umsonst „Feeling Finance“ weil es oft gar nicht um das Finanzwissen geht, sondern um die inneren Blockaden. Es geht um Glaubenssätze „unsere Familie konnte noch nie mit Geld umgehen“ und ähnlichem. Es ist oft mehr Geld und Psychologie. Auch wenn man einmal mit Aktien daneben gelegen hat, muss man diese Anlageform nicht verteufeln. HIer geht es um den bewußten Umgang mit seinen Ängsten … und sich wieder langsam herauzutrauen.
Besonderes Interesse fand die Vorstellung des Konzepts „Financial Buddy“. Der regelmäßige Austausch mit einer Vertrauensperson kann helfen, finanzielle Entscheidungen bewusster zu treffen und Hemmschwellen abzubauen. Gerade Frauen würden finanzielle Entscheidungen häufig aufschieben, nicht wegen mangelnder Kompetenz, sondern aus Sorge, Fehler zu machen.
Finanzielle Bildung beginnt nicht an der Börse. Sie beginnt mit dem Verständnis der eigenen Geldströme. Österreich verfolgt diesen Ansatz mit dem staatlich getragenen FinanzNavi, Deutschland setzt bisher stärker auf Banken, FinTechs und private Anwendungen. Für die finanzielle Selbstbestimmung von Frauen und Männern stellt sich deshalb eine spannende Frage: Soll Finanzbildung vor allem eine öffentliche Aufgabe sein oder dem Markt überlassen werden? [Finanz Navi | Word]
Weiterführende Links
- FinanzNavi Österreich: https://finanznavi.gv.at/
- Finanzguru Deutschland: https://finanzguru.de/
- Sparkassen Finanzplaner: https://www.sparkasse.de/pk/produkte/konten-und-karten/banking/online-services/finanzplaner.html
- Open Banking / PSD2: https://www.openbankingtracker.com/regulation/psd2
- Zinseszins einfach erklärt: https://prozent-rechner.com/blog/zinsen-zinseszins-erklaert/ [Finanz Navi | Word]
